Skip to content

Die Tilgungsakten

Venezuelas Millionen, ein Geschäftsmann und sein Löschversuch

Venezuelas Staatskasse, Immobilien in Spanien und Spuren im Netz: Wie ein Geschäftsmann versuchte, sich bei North Data löschen zu lassen.

Veröffentlicht am von Christina Brause

Das Firmennetzwerk von Columbus One Properties Management, jetzt Chesa Properties Management

Vor etwa vier Monaten wurde Nicolás Maduro von Spezialeinheiten der US-Streitkräfte in Venezuela festgenommen und in die USA gebracht. In der Anklageschrift beschuldigt die US-Staatsanwaltschaft Maduro und andere, über Jahre ein von staatlichen Stellen geschütztes Drogennetzwerk aufgebaut und große Mengen Kokain in die USA geschleust zu haben.

Seit Jahren steht Maduro wegen schwerer Korruptions- und Geldwäschevorwürfe im Umfeld des staatlichen Ölkonzern PDVSA in der Kritik. Regierungsnahe Eliten sollen davon profitiert haben. Mit den mutmaßlichen Geldwäschegeschäften rund um PDVSA wird auch die spanische Immobilienfirma Columbus One Properties Management, S.L., die mittlerweile in Chesa Properties Management SL umbenannt wurde, in Verbindung gebracht. Einer der damaligen Geschäftsführer der Firma, der Geschäftsmann Ramiro Iturralde Ale, versuchte 2024, persönliche Daten bei North Data löschen zu lassen. Iturralde Ale erklärte gegenüber dem North Data Blog, dies sei ausschließlich geschehen, um die "Privatsphäre zu schützen" und die Verbreitung "unzutreffender oder veralteter Informationen" zu verhindern.

Währungstrick mit Milliardenwirkung

Das Herzstück eines der größten PDVSA‑Korruptionsfälle war ein raffinierter Währungstrick, der insbesondere ab Anfang der 2010er‑Jahre zur Plünderung der Staatskassen genutzt wurde. Das Prinzip beruhte auf der enormen Lücke zwischen dem offiziellen und dem Schwarzmarktkurs: regierungsnahe Unternehmerkonsortien gewährten PDVSA Kredite in Bolívar, deren realer Marktwert vergleichsweise gering war. Die Rückzahlung erfolgte jedoch in Devisen – zu dem von der Regierung künstlich niedrig fixierten Wechselkurs –, wodurch die Kreditgeber auf einen Schlag hunderte Millionen Dollar Gewinn abschöpfen konnten.

Wie lukrativ dieses System war, rechnet die US‑Justiz in einer Anklageschrift vor: Wer 2014 rund 10 Millionen Dollar zum realen Marktkurs in Bolívar tauschte und diese über den staatlichen Vorzugskurs wieder in Dollar zurückwechselte, konnte innerhalb kurzer Zeit etwa 100 Millionen Dollar herausholen. Dieser Arbitragehandel, abgesichert durch politische Nähe, vervielfachte das eingesetzte Kapital um ein Vielfaches. Schätzungen zufolge wurden über solche Devisenbetrugssysteme mehr als 20 Milliarden US‑Dollar aus Venezuela abgezogen.

Immobilien als Waschstraße

Um diese Gewinne zu verschleiern, setzten die Beteiligten laut US‑Ermittlern auf ein Geflecht aus Banken und Investmentvehikeln in Europa – darunter auch Immobilieninvestmentfirmen in Spanien, über die PDVSA‑Gelder weitergeschleust wurden. Eine der anonymisierten Gesellschaften wird in der US‑Anklageschrift als eine in Spanien ansässige „Geldwäsche‑Fassade, die als Immobilien‑Investmentfirma operiert“ beschrieben und mit José Vicente Amparan Croquer in Verbindung gebracht. In Spanien betrieb Amparan die Immobilienfirma Columbus One gemeinsam mit Iturralde Ale und weiteren Partnern.

Iturralde Ale beschreibt seine Rolle als die eines „passiven Minderheitsinvestors“ für einen Zeitraum von „etwa einem Jahr“ und ohne „operative Rolle in der Geschäftsführung des Unternehmens oder dessen Aktivitäten“. Offizielle Einträge im spanischen Handelsregister zeichnen ein anderes Bild: Entgegen seiner Darstellung als bloßer Investor führen die Register Iturralde Ale zwischen 2015 und 2018 als geschäftsführenden Direktor (Consejero Delegado Mancomunado), Sekretär und Prokuristen (Apoderado). Details zu diesen Posten ließ Iturralde Ale auf Nachfrage offen. Er erklärte lediglich, sich bereits zur Art seiner Beteiligung geäußert zu haben.

Die Anwältin der Firma – heute Chesa Properties Management SL – betonten gegenüber North Data Blog, dass zwar Einzelpersonen im US-Verfahren genannt wurden, das Unternehmen selbst jedoch in den USA nie angeklagt war oder unter formalen Anschuldigungen stand. Dennoch wurde bereits 2018 über die Wiener Börse eine offizielle Mitteilung über ein Geldwäsche-Warnsignal gegen Columbus One und Amparan Croquer veröffentlicht, die sich direkt auf die US-Ermittlungen gegen Amparan bezog. Zu dieser Meldung erklärte die Anwältin North Data Blog, dass die Warnung lediglich eine Folge von Medienberichten gewesen sei, die nach der Anklage gegen Amparan erschienen. Man habe jedoch „sofortige und entschlossene Abhilfemaßnahmen“ ergriffen und Amparan umgehend aus allen Funktionen entfernt. Die Anwältin gab zudem an, dass Amparan seitdem keine Anteile mehr halte und in keinerlei Beziehung mehr zum Unternehmen stehe.

Einblicke in Amparans Vorgehen lieferte im Januar 2026 OCCRP: Ein Bericht des Investigativnetzwerks zitiert Tonbandaufnahmen, in denen Amparan und andere Beteiligte detailliert beschreiben, wie sie den Geldfluss verschleierten. Iturralde Ale erklärte gegenüber North Data Blog, dass seine Beziehung zu Amparan „auf die eines Co-Investors im Rahmen des Projekts beschränkt“ gewesen sei und er „keinen Einblick“ in Amparans sonstige berufliche Aktivitäten gehabt habe.

Entlastung in Spanien, offener Fall in den USA

In Spanien mündeten die Ermittlungen gegen Columbus One in einer Einstellung des Verfahrens. Nachdem die Firma eine weitere Verlängerung der Untersuchung erfolgreich weggeklagt hatte, wurde das Verfahren im Januar 2025 eingestellt. Ein Gutachten belegte die Rückverfolgbarkeit der strittigen Transaktionen. Allein der Umstand, dass einige Investoren selbst unter Geldwäscheverdacht stehen, reiche nicht aus, um sämtliche Geschäfte der Firma als kriminell einzustufen. Trotz Einsprüchen der Staatsanwaltschaft bleibt die spanische Justiz bei ihrer Sicht: Im September 2025 wurde die Einstellung bestätigt.

Die Anwältin von Chesa erklärte gegenüber North Data Blog, dass das Gericht die Vorwürfe nach einer „erschöpfenden“ Untersuchung als unbegründet erachtet habe und das Unternehmen die Angelegenheit damit als erledigt betrachte. Auch Iturralde Ale erklärte, dass die Ermittlungen gegen ihn vollständig eingestellt worden seien. Dies bestätige seiner Aussage nach, dass er "keinerlei Beteiligung oder Verantwortung" getragen habe.

In den USA wird sein ehemaliger Geschäftspartner Amparan Croquer derweil weiter per Haftbefehl als "professioneller Geldwäscher" gesucht. 

Christina Brause
Investigative Datenjournalistin und Investigator in Residence bei North Data. OSINT, Recherche, Daten. Internationale Sicherheit. DefenceTech. Mode-Faible. Ja, das geht.